Offener Brief: Absage meiner Teilnahme an der Klausurtagung in der Ev. Akademie Bad Boll

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Till,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates,
nachdem Sie entschieden haben, die Klausurtagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll durchzuführen und ich erfahren habe, dass die Räumlichkeiten entsprechend christlich (spirituellen Ambiente) gehalten sind, teile ich Ihnen mit, dass ich als Atheist und Mitglied der Humanisten Baden-Württemberg K.d.ö.R. nicht an Veranstaltungen in Gebäuden / Räumlichkeiten, die einer religiösen Gestaltung unterliegen, teilnehmen werde.

Dies wäre mit meiner laizistischen und humanistischen Grundüberzeugung nicht vereinbar.

Ich hege die Hoffnung, dass zukünftige Austragungsorte von Klausuren oder anderen Veranstaltungen des Gemeinderates der Stadt Göppingen an religiös neutralen Orten abgehalten werden, um die Teilnahme aller Stadträte und ggf. aller Bürger zu ermöglichen.
Rund 50 % der Bundesbürger gehören nicht einer der christlichen Kirchen an – ich bin einer von ihnen.

Die Piratenpartei tritt für eine klare Trennung von Kirche und Staat ein, wie sie auch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland als Verfassungsauftrag vorgesehen ist.
Meine Nichtteilnahme ist die letztendliche Konsequenz hiervon.

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Freche
Stadtrat
stellv. Fraktionsvorsitzender LINKE & PIRATEN


Kommentare

2 Kommentare zu Offener Brief: Absage meiner Teilnahme an der Klausurtagung in der Ev. Akademie Bad Boll

  1. Tim schrieb am

    Sehr geehrter Herr Freche,
    abgesehen davon, dass Ihre Absage nicht wirklich Aufsehen erregt, die Anregung künftig auch keine Sitzung des Stadtrates mehr zu besuchen. Sie können nicht ausschließen, dass in diesem Raum schon mal bekennende Christen am Werk waren- dies wäre ja nicht vereinbar mit Ihrer „humanistisch- laizistischen“ Weltanschauung. Überdies sollte Sie bedenken, dass Sie als Volksvertreter in den Stadtrat gewählt wurden. Wenn Sie aber aufgrund gebäudlicher Verunreinigung diesem Gremium fernbleiben, können Sie Ihre Verantwortung zur Volksvertretung nicht mehr ausüben. Da wäre in Ihrem Fall ein Rücktritt sicherlich die beste Variante- machen Sie doch einfach Platz für jemand, der bereit ist, politische Verantwortung zu übernehmen. Danke.

    • Michael Freche schrieb am

      Sehr geehrter Tim,

      grundsätzlich ist es nicht möglich, wegen verfassungsmäßigen
      garantierten Rechten eines Bürgers zurückzutreten. Dies regelt die
      Gemeindeordnung von B-W. Das Bekenntnis Atheist zu sein reicht nicht
      als Grund eines Rücktrittes. Unabhängig davon werde ich auch nicht
      zurücktreten.
      Falls es Ihnen entgangen ist bin ich ein recht toleranter Atheist, ich
      sitze mit einem bekennenden Christen der Theologie studiert hat in
      einer Fraktion. Auf jedem Fall bin ich so tolerant, dass ich die
      Privatsache Religion anerkennen kann. Dies können wohl manche
      Angehörige der Religionen nicht.

      Da Sie in Ihren Ausführungen Ausrufezeichen benutzen gehe ich davon
      aus, dass Sie zu denjenigen gehören die zu Toleranz gegenüber Andersdenkenden
      nicht fähig sind.

      Unabhängig davon ein Rat von mir: Lesen Sie einmal das wichtigste Buch
      der Bundesrepublik, die Verfassung in Form des Grundgesetzes. Dabei
      werden Sie feststellen, dass hier in diesen Punkten weder ein aber noch ein
      vielleicht definiert ist, was die Trennung von Kirche und Staat angeht.
      Ich halte mich als ein Demokrat an die Verfassung.

      Festzustellen bleibt, extra für Sie noch einmal:Der Stadtrat ist keine religiöse Einrichtung und hat deswegen in diesem Punkt neutral zu sein.

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